
Findet den richtigen Zeitpunkt.
Viele Kinder brauchen direkt nach der Schule erstmal eine Pause. Eine Zeit, in der sie nichts tun MÜSSEN. Eine Zeit, über die sie selbst frei bestimmen können. Tun und lassen, was sie möchten.
Denn auch wenn in der Schule (zumindest in der 1. Klasse noch) Vieles spielerisch gelernt wird, kann dein Kind sehr wenig frei entscheiden. Es muss sich fast die ganze Zeit anpassen. Tun, was ein Anderer sagt. Machen, was im Heft gefordert wird. Stillsitzen und sich konzentrieren, wenn die Lehrkraft es anordnet. Sich nur dann lebhafter bewegen und mit Freunden seine Gedanken teilen, wenn mal kurz Pause ist. Dazu braucht dein Kind ganz schön viel Willenskraft. Die Schule kostet dein Kind oft viel Kooperationsenergie, viel Selbstregulationskraft. Und nach dem Unterricht ist der Akku dann bei vielen Kindern erstmal leer. Und will aufgeladen werden. Erst dann will – und KANN (!) – sich dein Kind (schon) wieder mit Themen beschäftigen, die es vorgegeben bekommt. Wirklich: KANN! Den Willen kannst du dir wie einen Muskel vorstellen. Bei andauernder Beanspruchung erschöpft er. Dann ist erstmal Erholung angesagt. Vielleicht kennst du das von dir selbst. Nach einem stressigen Tag im Büro, bei dem du dich durch die lästige Dokumentationsaufgaben gezwungen hast, kannst du abends dem leckeren Schokoriegel nicht mehr widerstehen. Wenn du gerade auf LowCarb-Diät bist (obwohl du sooo Appetit auf Nudeln hast) hast du weniger Geduld mit deinen Kindern. Und nach der lästigen Steuererklärung noch ein paar Sit-ups machen? Nein danke.
WeiterlesenWeniger anzeigen
Darum: Lass dein Kind entscheiden, ob es sich nach der Schule erstmal eine Pause gönnen möchte. Und was es in dieser Zeit tun mag. Keine Vorschriften, Belehrungen, Anpassungen. Einfach nur: Pause und Freiheit. So lädt sich der Akku recht flott wieder soweit auf, dass dein Kind wieder neuen Schwung für die Hausaufgaben hat.
Dein Kind möchte keine Pause machen? Auch gut. Solange die Stimmung und die Konzentration bei den Hausis passen – warum nicht? Probiert es aus!
Manche Kinder sind nach der Schule etwas aufgedreht. Und müssen irgendwie runter kommen. Vielleicht tut da eine kleine Massage gut. Oder ein Gespräch, bei dem du wirklich nur Zeit für dein Kind hast (und nicht nebenher im Kochtopf rührst ;-) ). Manche Kinder malen gerne, hören Musik oder Hörspiele, blättern in Büchern oder bewegen sich an der frischen Luft. Schaffe wo möglich die Zeit dafür. Unser Mittlerer hatte Phasen, da hat er nach der Schule gerne lang gebadet. Oder hat eine halbe Stunde lang recht einfache Handlungen wie Kaffee mahlen oder Stifte spitzen ausgeführt. Was auch immer es ist – viele Kinder haben selbst ein gutes Gespür dafür, was ihnen gut tut. Folge da den Ideen deines Kindes.
Manche Kinder ziehen es vor, nicht mittags, sondern eher abends die Hausaufgaben zu machen. Auch hier gilt: Solange die Stimmung und die Konzentration bei den Hausis passen – warum nicht? Probiert es aus! Oder sie teilen sich die Aufgaben gerne auf. Eine Sache vor dem Mittagessen, eine danach und den Rest abends. Geht auch.
Je nachdem, welcher Zeitpunkt für dein Kind der richtige ist – schau, dass du die Tagesgestaltung entsprechend soweit möglich anpasst. Klar, 100%ig flexibel seid ihr nicht, alles hat seinen Preis. Dein Kind kann sich nicht mit jedem Freund schon um 14:00 Uhr verabreden und der Reitunterricht geht dienstags nun mal bis 18:30 Uhr. Schau, wo du dennoch Handlungsspielraum hast, wo ihr frei seid, Dinge anders zu machen. Vielleicht gibt es etwas später Mittagessen. Oder ab jetzt abends warm, nicht mehr mittags, sodass der Essenszeitpunkt mittags flexibler ist. Wenn dein Kind abends noch einen Teil der Hausaufgaben machen möchte, hol es schon rechtzeitig wieder von seinen Freunden ab. Nutzt nicht mehr den 15:00 Uhr Balletttermin (wird immer so hektisch), sondern eine spätere Möglichkeit.
Gehe übrigens davon aus, dass sich die Pläne und Zeiten auch wieder ändern können. Wenn du verstärkt Reibereien rund ums Thema Hausaufgaben bemerkst, kann das eine Warnleuchte für nötige Anpassung der Lernzeit sein. Beobachte genau und sprich mit deinem Kind über deine Vermutung. Und passt den Plan wo möglich an.
Wo immer es ums freie Lernen geht, sollte die Wahl des richtigen Zeitpunktes vor allem eines sein – frei. Deponiere an strategisch günstigen Orten Lernmaterial, das sich dein Kind bei Lust und Laune greifen kann. Bspw. in der Handtasche, wenn eine Wartezeit beim Arzt bevorsteht, im Auto, neben dem Sofa, auf dem Fensterbrett neben dem Esstisch, ein paar Bücher neben dem Bett. Wenn du etwas Neues besorgt hast, lege es für dein Kind gut sichtbar in die Wohnung. Und warte darauf, dass es sich irgendwann neugierig damit beschäftigt. Mache Angebote, überrasche dein Kind, teile deine Ideen. Und dann lass dein Kind entscheiden, was es damit macht.















